Leben als Expat Mama in den USA

Und Plötzlich Expat Mama in den USA

Ich will doch gar nicht gehen!

Um es mal vorweg zu nehmen, ich bin dankbar dafür für einige Zeit im Ausland leben zu können. Das hat mich unheimlich an Erfahrungen bereichert und mich auch menschlich wachsen lassen. Trotzdem fand ich es überhaupt nicht einfach zu gehen. Ich wollte nämlich eigentlich nie ins Ausland müsst ihr wissen. Also als Urlauber schon, aber auswandern oder sowas hat mich nie wirklich gereizt. Ich war glücklich in Deutschland. Zudem macht es für mich auch einen Unterschied welche Ausgangslage man hat. Ich bin als Expat Mama in die USA gegangen. Das bedeutet ich hatte nicht gleich einen geregelten Tagesablauf und soziale Kontakte, welche ein Job außerhalb des Hauses ja mit sich bringt.

Das Angebot

Irgendwann im Frühling 2012 kam mein Mann von seiner ersten Geschäftsreise in den USA zurück und eröffnete mir, dass ein Kollege vom amerikanischen Firmenstandort ihm angeboten hätte dort zu arbeiten. Das war ein ziemlicher Schock für mich. Ich war bis zu dem Zeitpunkt auch noch nie in den USA gewesen. Ja, ich war neugierig auf das Land und fragte mich, ob es dort wohl wirklich so sei, wie ich es aus dem Fernsehen kannte, aber gleich dort hinziehen? Oh man, was war das für ein großer Brocken!

Wir sind dann erstmal für eine Woche in nach Oregon geflogen, um einen ersten Eindruck vom Land zu bekommen, und natürlich auch, um besser eine Entscheidung treffen zu können, ob wir das Angebot für meinen Mann annehmen würden oder nicht.

Ganz ehrlich, auch nach der einen Woche fiel es mich nicht leichter, aber ich dachte auch, dass man so ein Angebot im Grunde nicht ablehnen kann. 1. war es eine riesige Chance für meinen Mann und 2. würden wir uns sonst immer fragen was gewesen wäre, wenn wir zugesagt hätten.

Umzug in die USA

So zogen wir also im Herbst 2013 nach Oregon. Zuerst war es irgendwie surreal. Ich wusste zwar, dass wir ein One-Way-Ticket in die USA gebucht hatten, aber es fühlte sich anfangs doch an wie Urlaub. Alles war neu und aufregend. Einen knappen Monat nach unserem Umzug musste mein Mann geschäftlich nach Deutschland fliegen und so waren meine Tochter und ich für 10 Tage auf uns allein gestellt im neuen und fremden Land. Da wurde mir schlagartig bewusst, dass wir nicht im Urlaub waren und ich bekam Heimweh.

Heimweh

Das Heimweh blieb und wurde von da an Teil meines Lebens. Es gab Phasen, in denen ich es kaum gespürt habe und Phasen in denen sich die Sehnsucht nach Hause, nach Deutschland auf mich gelegt hat, wie eine dunkle, schwere Decke. In diesen Phasen hätte ich am liebsten meine Koffer gepackt und wäre mit dem nächsten Flug nach Deutschland geflogen. Für meinen Mann war es wohl von Anfang an einfacher. Er hatte seinen Job und damit einen geregelten Tagesablauf und gleich soziale Kontakte. Schlimmes Heimweh macht auf Dauer aber depressiv und ich wusste ich musste etwas tun, denn Koffer packen und mit dem nächsten Flieger nach Deutschland zurück fliegen war keine Option.

Soziale Kontakte

Ganz wichtig, um sich besser zu fühlen waren soziale Kontakte für mich. Gleich in der ersten Woche in Oregon hatte ich auf dem Spielplatz vor unserem damaligen Appartement eine deutsche Mama kennengelernt. Ihre Tochter ist 6 Monate jünger als meine Große. Das konnte doch kein Zufall sein, dass ausgerechnet wir uns an diesem Nachmittag über den Weg liefen denke ich bis heute! Außerdem gab es noch einen anderen deutschen Kollegen, der mit seiner Frau einige Monate vor uns für die Firma in die USA gezogen war. Der Arbeitgeber meines Mannes war in dieser Hinsicht noch 2 weitere Male hilfreich. Ich freundete mich mit 2 weiteren Frauen anderer Arbeitskollegen meines Mannes an. Mit der Zeit wurde es auch generell einfacher Kontakte zu knüpfen und es kamen auch noch Freunde in unserer Nachbarschaft hinzu. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist offen zu sein für Menschen und Freundschaften und sich nicht zu verkriechen, auch mit Heimweh.

Realitätscheck Nr. 1

Als unsere 2. Tochter 4 Monate alt war, fast 2 Jahre nach unserem Umzug nach Oregon flogen wir das erste Mal zurück nach Deutschland -als Besucher. Ich war gespannt, wie es dort wohl sein würde und ob ich mir Deutschland in der Ferne schöner gemalt hatte, als es in der Realität vielleicht war. Wir landeten 2015 an einem heißen Sommertag in Berlin und fuhren mit dem Taxi zu unserer Ferienwohnung in unserem alten Kiez. Es war als sei ich aus einem langen Urlaub wieder zurück nach Hause gekommen. Es fühlte sich, trotz Schlafmangel und Jetlag unheimlich gut an wieder dort zu sein. 4 Wochen waren wir in Deutschland und während dieser Zeit waren wir in Norddeutschland, Süddeutschland und sogar in der Schweiz. Unser Rückflug ging wieder von Berlin aus und so saß ich im Flieger am Flughafen Tegel und mir rollten die Tränen über die Wangen. Ich wollte nicht zurück nach Oregon!

Zurück in den USA

Wieder zurück in Oregon war mein Heimweh wieder groß, schwarz und schwer. Nach einer Weile nervte ich mich selbst und natürlich auch meine Familie. So konnte es nicht weiter gehen! Ich wollte wieder zurück nach Deutschland, aber solange ich in Oregon wohnen würde musste ich einen Weg finden, auch weit weg von Zuhause-Gefühl, trotzdem glücklich zu sein. Im Winter war das nicht so einfach, denn ihr müsst wissen, dass es im Winter in Oregon meistens viel regnet und trübe ist. Wenn man ohnehin schon mittelprächtige Stimmung hat ist so ein Wetter nicht besonders hilfreich.

Der Frühling kommt

Als der Frühling dann aber kam wurde es besser. Es zogen neue Nachbarn zwei Häuser weiter ein und deren Tochter und meine Große wurden beste Freundinnen. Ich freundete mich mit ihrer Mutter an. Nebenan zogen auch neue Nachbarn ein und nun bekam die Kleine auch eine Freundin und ich ebenfalls noch eine. Ich sah nun mehr und mehr auch die schönen Seiten unseres Lebens hier in Oregon. Ja, ich vermisste Deutschland noch, aber es tat nun nicht mehr so weh und ich dachte auch nicht mehr ständig daran, dass ich wieder zurück wollte.

Realitätscheck Nr. 2

Im Sommer 2016 flogen wir zum 2. Mal zurück nach Deutschland und dieses Mal fühlte es sich anders an als beim 1. Mal. In unserem alten Kiez tummelte sich nun anderes Publikum, wie ich fand. Außerdem empfand ich die Berliner auch mehr als ruppig und unfreundlich. Ich war ja nun überwiegend die freundliche Art der Menschen in Oregon gewohnt. Es fühlte sich plötzlich gar nicht mehr so heimelig an wie im Jahr zuvor. Was hatte sich verändert? Berlin? Etwa ich mich? Oder gar beides? So flogen wir zurück und ich ertappte mich dabei, dass ich mich sogar schon ein bisschen auf Oregon freute.

Zurück in Oregon

Mein USA-Hoch hielt sich jedoch nicht ewig. Die Kleine war nun 2 und ich merkte immer mehr, dass sie nach mehr Input verlangte. Zuhause mit Mama reichte nicht mehr und war langweilig und auch ich sehnte mich mehr und mehr nach einer Pause und mehr Zeit für mich. Ich dachte wieder mit Wehmut an die Kinderbetreuung in Deutschland zurück. Vollzeitbetreuung hier war keine Option, denn das war einfach viel zu teuer. So schaute ich mich nach günstigeren Möglichkeiten um. Ich wurde fündig. 2 Mal pro Woche, für jeweils 2,5 Stunden für 130 Dollar im Monat. “Besser als nichts”, dachte ich mir und bezahlbar. Im Herbst 2017 sollte es losgehen. Eine Freundin überredete mich auch noch dazu eine Family Membership in einem schönen Gym abzuschließen -2 Stunden Kinderbetreuung pro Tag inklusive.

Das Heimweh kommt zurück

In dem darauffolgenden Sommer flogen wir nicht nach Deutschland. Die Kleine hätte ja nun auch den vollen Flugpreis zahlen müssen und da wir noch einige Sachen am Haus in Oregon machen wollten sparten wir uns das Geld für die Flüge lieber. Stattdessen ging ich mit den Kindern in den Pool im Gym und nutzte die Kinderbetreuung. Ich schaute trotzdem mit Vorfreude dem Herbst entgegen, denn ich merkte, dass ich noch mehr Pause vom Mama sein gebrauchen konnte, als die 2 Stunden Kinderbetreuung im Gym.
Der Kleinen gefiel es gleich super in der Preschool und ich wünschte es würden dort mehr Stunden Kinderbetreuung angeboten.
Ich ging ins Gym, mit und ohne Kinder und lebte so ein bisschen das Leben einer amerikanischen Mama, die nicht außerhalb des Hauses arbeitet.
Trotzdem vermisste ich Deutschland wieder mehr und auch öfter. Es war nun schon mehr als ein Jahr her, dass wir das letzte Mal dort gewesen waren.
Eines Morgens traf es mich während ich im Auto saß in meinen Workout Klamotten, so wie viele andere Mamas hier. Ich wollte das nicht, also den Sport schon, aber nicht dieses Leben, nicht so. Ich wollte mehr!

Was nun?

Ich fing an zu überlegen, zu suchen, aufzuschreiben. Was wollte ich und was konnte ich dafür tun?
Ich wollte mehr Zeit für mich und vor allem auch selber mal durchstarten. Mich selbst verwirklichen, wie man so schön sagt. Das empfand ich in den USA als Mama immer eher schwer, worüber ich hier ja bereits geschrieben habe.
Lange schon wollte ich bloggen und so fing ich nun endlich an es auch in die Tat umzusetzen, auch wenn ich nicht so viel Zeit zur Verfügung habe. Was soll ich sagen? Es macht mir total viel Spaß, aber ich könnte natürlich mehr Zeit gebrauchen! Da bin ich immer noch am gucken, schauen und suchen wie das gehen könnte, ohne ein Vermögen für Kinderbetreuung ausgeben zu müssen.
Daneben muss ich aber auch besser werden im einfordern von Zeit für mich. Da muss der Papa am Wochenende dann einfach mal die Mädels nehmen.

Leben mit Heimweh?

Mein Heimweh ist immer noch da. Gerade im Winter und leider auch oft bis in den Frühling hinein, wenn es draußen den ganzen Tag trübe ist und regnet und ich mehr Zeit habe, um mir Gedanken zu machen, dann ist mein Heimweh größer.
Ich merke auch immer mehr, dass ich es vermisse mich Zuhause zu fühlen, denn auch während meiner Hochzeit hier in den USA habe ich mich nie wirklich Zuhause gefühlt. Vielmehr hatte, und habe ich immer das Gefühl anders zu sein. The German Gal eben -was ja nicht zwangsläufig schlecht sein muss und auch verständlich ist, denn ich bin nun mal in Deutschland aufgewachsen und habe die meiste Zeit meines Lebens dort verbracht.

Und die Moral von der Geschichte

Dieses Jahr im Oktober sind es 5 Jahre, die wir hier in Oregon leben. Es waren turbulente, schwierige, schöne und lehrreiche Jahre, die mich verändert haben. Es war und ist nicht immer einfach, aber wie ich anfangs schon geschrieben habe, hat mich diese Erfahrung auch menschlich wachsen lassen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe viel über mich selbst gelernt, gemerkt was ich will und was nicht und betrachte manches nun auch mit anderen Augen. Ja, ich möchte nach Deutschland zurück und das auch absehbar, aber ich möchte auch versuchen das beste aus der Zeit hier zu machen.

 

Habt ihr auch mal im Ausland gelebt? Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr vielleicht gerade mit Heimweh zu kämpfen?

XX Bis bald,

Miriam

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