Solidarität unter Müttern

Für mehr Solidarität unter Müttern

Die Situation der Mütter

Es ist das Jahr 2018 und ich finde es ist immer noch ein weiter Weg bis zur Gleichberechtigung von Mann und Frau. Seit ich Mutter bin ist mir das besonders deutlich.
In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind es meistens die Mütter, die zurückstecken. Da wird aus dem Vollzeit Job eine Teilzeitstelle, oder der Beruf wird gleich ganz aufgegeben. Oftmals ist es eben der Mann, der den besser bezahlten Job hat. Da stellt sich dann nicht wirklich die Frage wer weiter arbeitet und vielleicht auch noch Karriere macht. Daneben ist es auch noch immer so, dass es meistens die Frauen sind, die den Großteil des Haushalts machen. In der ze.tt gab es vor einigen Monaten sogar einen Artikel darüber Click Here.
So schön es auch ist Mutter zu sein, es gibt auch diese frustrierenden Momente, in denen man das Gefühl hat, dass man nichts und niemandem wirklich gerecht werden kann oder auch, dass es nicht gerecht ist, so wie die Situation ist. Wenn es mal nicht so einfach ist, dann helfen Verbündete, die einen verstehen. Selbst wenn die Situation sich dadurch nicht verändert, so fühlt man sich dennoch besser. Was liegt also bei Müttern näher als sich Solidarität unter Müttern zu suchen?

Was ist da los?

Es gibt ein nigerianisches Sprichwort, das lautet: „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ So war ich nach der Geburt der Großen froh, als ich Freundinnen fand, die auch Mütter waren. Die Großeltern wohnten auch in Deutschland schon einige Stunden Autofahrt entfernt von uns. Die anderen Mütter würden also mein Dorf sein und wir würden das alle zusammen machen und uns gegenseitig bei der Kindererziehung helfen. So war zumindest mein Gedanke. Anfangs war auch alles gut. Die meisten der anderen Mütter waren, wie ich, auch zum ersten Mal Mutter geworden. Die Unsicherheit war groß und alle waren froh die gegenseitige Unterstützung zu haben. Es war das “Mütter Dorf der Neugeborenen und Säuglinge”. Das änderte sich aber bald. Einige dieser Freundinnen sind auch immer noch Teil meines Dorfes, aber ich habe in den 7 Jahren auch andere Mütter kennengelernt. Mütter, die ungefragt Ratschläge verteilen und verurteilen, nach dem Motto: “So kannst du das aber nicht machen!”

Konkurrenz, statt Solidarität

Da werden unterschiedliche Lebensmodelle und individuelle Entscheidungen auf die Waagschale gelegt und Mütter sind plötzlich Konkurrentinnen. Wer macht es richtig, wer macht es besser? “Was, du stillst dein Kind nicht?” Oder Kaiserschnitt vs. natürliche Geburt gehören am Anfang mit zu den Klassikern, wie ich finde. Gerade beim ersten Kind, wo alles so neu und überwältigend ist finde ich sowas wenig hilfreich, weil dadurch Unsicherheit und Druck nur noch größer werden.
Am Ende des ersten Jahres mit Kind stellt sich dann auch für viele Mütter wieder die Frage, wie es beruflich weiter geht. Vollzeit, Teilzeit oder ganz aus dem Beruf raus? Mütter, die Vollzeit arbeiten werden dann oft als Rabenmütter gesehen, weil sie ja gar keine Zeit mehr haben können für ihre Kinder. “Wieso bekommt sie denn ein Kind, wenn sie es dann den ganzen Tag nicht sieht?” Teilzeit scheint mir noch das am meisten “akzeptierte” Modell zu sein. Selbst das kann scheinbar aber Neid und Missgunst auslösen, denn Teilzeitstellen gibt es nicht wie Sand am Meer. Ganz aus dem Beruf auszusteigen löst auch Entsetzen bei einigen Müttern aus. “Willst du wirklich NUR noch Hausfrau sein und am Herd stehen?” Wie man es macht, man macht es scheinbar falsch.
Die Kindererziehung ist auch so ein Thema. Es gibt zig verschiedene Meinungen, Erziehungsstile und Vorstellungen. Da werden ungefragt Ratschläge verteilt und es werden andere Erziehungsstile kritisiert.
Nicht zuletzt stehen auch die Kinder selbst gerne im Mittelpunkt der Kritik. Da fallen Sätze, wie: “Was, dein Kind kann noch nicht laufen? Meins konnte das ja schon lange in dem Alter!”

Unsicherheit und die “perfekte” Mutter

Warum machen sich viele Mütter das Leben gegenseitig so schwer, wenn es doch ohnehin schon schwierig genug ist Kinder, Beruf und Haushalt unter einen Hut zu bekommen?
Ich denke einer der Gründe ist die eigene Unsicherheit. Es gibt Haufenweise Erziehungsratgeber, die sich zum Teil gegenseitig widersprechen. Das verunsichert manche Mutter. Jeder Mutter möchte natürlich ihren Job gut machen und irgendwo gibt es da vielleicht doch noch so ein Idealbild einer guten Mutter, welches im Kopf rumschwirrt. Als Mutter muss ich mich für meinen eigenen Weg entscheiden. Wie erziehe ich meine Kinder? Will ich überhaupt mehr als ein Kind? Möchte ich auch außerhalb des Hauses arbeiten? Wenn ja wieviel? Das sind alles wichtige Fragen, die jede Mutter für sich selbst beantworten muss. Damit entscheidet sie sich für einen Weg und ein Lebensmodell, aber gleichzeitig auch gegen ein anderes. Manche Mütter scheinen das Gefühl zu haben ihr Lebensmodell verteidigen und rechtfertigen zu müssen. Vielleicht sind sie auch nicht so ganz glücklich mit ihrer Entscheidung?

Die Vielfalt feiern

Nur weil man Mutter ist, bedeutet es ja nicht, dass es nur den einen Weg gibt eine gute Mutter zu sein. Die Bedürfnisse von Familien sind individuell, wie auch Lebensumstände und Persönlichkeit der einzelnen Personen. Was für eine Familie funktioniert muss ja nicht für die andere funktionieren. Ich kann es als Mutter anders machen, aber muss trotzdem nicht die Entscheidungen und das Lebensmodell einer anderen Mutter kritisieren. Wir sind alle unterschiedlich. Diese Vielfalt macht doch das Leben aus. Nicht nur als Mutter, sondern generell. Wäre es nicht langweilig, wenn es diese Vielfalt nicht gäbe? Ich finde ja, verdammt langweilig. Nur weil man etwas anders macht in manchen Bereichen, heißt es doch nicht, dass man keine Gemeinsamkeiten hat. Wir sind alle Mütter! Wir geben alle das Beste für unsere Kinder!

Mehr Solidarität unter Müttern

Wie stelle ich sie mir denn vor die Solidarität unter Müttern? Ich wünsche mir mehr Verständnis und weniger Verurteilung. Ein ehrliches Lächeln oder ein verständnisvoller Blick mit Kopfnicken einer anderen Mutter, wenn das eigene Kind beim Einkaufen einen Wutanfall vom feinsten hat und schreiend auf dem Boden des Supermarktes liegt sind in solchen Situationen Gold wert. Sagen sie doch ohne viele Worte: “Ich verstehe dich, du bist nicht alleine!”
Überhaupt dieses Gefühl alleine zu sein als Mutter, isoliert vielleicht sogar. Das finde ich nicht gut und kann mir auch nicht vorstellen, dass es gesund ist. Ich wünsche mir den Mama Tribe!
Es heißt ja auch nicht, dass Mütter gar keine Ratschläge wollen. Eben nur nicht ungefragt und verbal ins Gesicht geschmettert! Wir sind nicht besser oder schlechter, weil wir anders sind oder es anders machen, als eine andere Mutter.

Solidarität unter Müttern

Wünscht ihr euch mehr Solidarität unter Müttern? Habt ihr Erfahrungen mit Konkurrenz unter Müttern gemacht?

 

Bis bald,

XX Miriam

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